„KI hilft Unternehmen bereits dabei, ihre Abläufe zu optimieren, Verschwendung zu reduzieren und viele ‚grüne‘ Lösungen zu unterstützen. Das Paradoxon ist jedoch, dass die KI selbst – insbesondere große Modelle – viel Strom, Kühlwasser und Infrastruktur verbraucht.
Die Frage ist daher nicht mehr, ob wir KI nutzen sollten oder nicht, sondern wie wir sie so einsetzen, dass der erzeugte Nutzen größer ist als die verbrauchten Ressourcen.
Mit anderen Worten: KI ist nur dann wirklich ‚grün‘, wenn sie richtig eingesetzt wird.“.
Der KI-Boom und das Paradoxon einer „grünen Lösung“
Seit mehr als einem Jahrzehnt entwickelt sich die künstliche Intelligenz (KI) in rasantem Tempo, was sich am Umfang der weltweiten Forschung und der Intensität der globalen Investitionen zeigt. Laut dem AI Index Report 2024 (Daten des Center for Security and Emerging Technology – CSET, 2023) hat sich die Zahl der weltweiten KI-Veröffentlichungen in englischer Sprache zwischen 2010 und 2022 fast verdreifacht – von rund 88.000 auf über 240.000. Im Jahr 2022 betrug das Wachstum nur noch 1,1 %, was eine Verlangsamung im Vergleich zu den vorherigen Boomjahren signalisiert.

Hinter dieser massiven Entwicklung verbirgt sich jedoch ein großes Paradoxon in Bezug auf die Nachhaltigkeit: Die KI wird einerseits als unverzichtbares Werkzeug im Kampf gegen den Klimawandel angesehen, andererseits jedoch als eine Technologie, die für ihr Training und ihren Betrieb extrem ressourcenintensiv ist. Laut einer bekannten Studie der University of Massachusetts in Amherst, die von der MIT Technology Review analysiert wurde, kann das Training eines großen KI-Modells mehr als 626.000 Pfund CO2-Äquivalent ausstoßen – das ist fast fünfmal so viel wie die Emissionen eines durchschnittlichen amerikanischen Autos während seines gesamten Lebenszyklus.
Daher lautet die fundamentale Frage nicht, „ob wir KI nutzen sollten oder nicht“, sondern vielmehr, wie wir sie so anwenden, dass sie einen positiven Wert für unseren Planeten generiert.
„KI schafft einen klaren Vorteil: Unverzichtbare Werte
KI trägt vor allem durch ihre Fähigkeit, Verschwendung zu reduzieren und die Ressourcennutzung zu optimieren, zur nachhaltigen Entwicklung bei und hilft uns so, die den traditionellen Aktivitäten innewohnenden Redundanzen zu beseitigen. Statt auf Mutmaßungen zu basieren, ermöglicht die KI dem Menschen, „grüne“ Maßnahmen automatisch und intelligent durchzuführen:
Erstens fungiert die KI als „Energiemanager“ – sie ist in der Lage, Beleuchtungs- und Klimaanlagen automatisch an die tatsächliche Belegung anzupassen und gleichzeitig den Bedarf präzise vorherzusagen, um eine Überlastung des Stromnetzes zu vermeiden. Im Transportsektor reduziert die KI Emissionen direkt, indem sie die kürzesten Routen für Lieferungen berechnet und Staus antizipiert, um unnötige Motorstillstandszeiten zu vermeiden.
Darüber hinaus hilft die KI, Abfall zu reduzieren, dank „Luchsaugen“, die Produktionsfehler auf den Fertigungslinien erkennen können, um Ausschuss zu begrenzen, während sie gleichzeitig Roboter für eine präzisere Mülltrennung steuert, als es der Mensch könnte. Schließlich eliminiert die KI die Verschwendung, die mit „Versuch und Irrtum“ verbunden ist, indem sie virtuelle Simulationen durchführt. Dies ermöglicht es, bereits in der Designphase die ressourceneffizientesten Lösungen zu identifizieren, ohne Chemikalien oder Materialien für reale Tests zu verbrauchen.“
„Die Kehrseite des Erfolgs: Wenn die KI zum „Energie-Oger“ wird
Hinter den Vorteilen der Optimierung verbirgt sich jedoch eine oft ignorierte Realität: Die KI ist nicht so „virtuell“, wie man denkt. Jede Eingabe und jeder Verarbeitungsprozess basiert auf gigantischen physischen Rechenzentren, in denen Millionen von Servern rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche laufen. Diese Systeme „verschlingen“ eine gewaltige Menge an Strom und benötigen enorme Mengen an Süßwasser zur Kühlung. Somit verbraucht jede gesendete Anfrage ganz reale Ressourcen und ist alles andere als kostenlos für unseren Planeten.
Im aktuellen technologischen Wettlauf gilt: Je intelligenter die Modelle sind, desto schwerer ist der Preis, den die Umwelt dafür zahlen muss. Das Training einer hochmodernen KI kann so viel CO2 ausstoßen wie Hunderte von Interkontinentalflügen – ein Aufwand, der sich über den gesamten Lebenszyklus der Geräte erstreckt, von der Herstellung der Komponenten über deren Betrieb bis hin zu deren Austausch.
Hier zeigt sich ein bemerkenswertes psychologisches Paradoxon: Während die KI alles schneller und günstiger macht, neigt der Mensch dazu, sie weit über seinen tatsächlichen Bedarf hinaus zu nutzen. Früher konnte das Verfassen eines Artikels einen ganzen Tag dauern, heute gelingt es mit der KI in wenigen Minuten. Doch statt uns auf das Notwendige zu beschränken, vervielfachen wir oft die Versionen. Ebenso verleitet die Leichtigkeit, Bilder per KI zu generieren, dazu, Dutzende von Versuchen für ein unbedeutendes Anliegen zu starten. Kurz gesagt: Auch wenn die KI jeden Prozess optimiert, kann genau diese Bequemlichkeit eine neue Ressourcenbelastung darstellen, wenn sie nicht kontrolliert eingesetzt wird.“
„Ist KI „böse“?
Statt die KI als „Retter“ oder „Schuldigen“ zu betrachten, muss man ihr wahres Wesen begreifen: KI ist ein Werkzeug, das an sich weder „grün“ noch „schädlich“ ist. Entscheidend ist die Art und Weise, wie der Mensch diese Technologie konzipiert, einführt und nutzt.
Der Wert der KI liegt in ihrem Verwendungszweck. Sie wird zu einem Teil der Lösung, wenn sie eingesetzt wird, um Abläufe zu optimieren, Verschwendung zu reduzieren, das Gesundheitswesen zu unterstützen, die Umwelt zu schützen oder gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen. Umgekehrt kann sie zu einem Teil des Problems werden, wenn sie missbraucht wird, um Inhalte mit geringem Mehrwert zu generieren, Quantität vor Qualität zu stellen oder überflüssige Bedürfnisse zu bedienen.
Was wir daher brauchen, ist keine „perfekte“ KI, sondern eine intelligente und verantwortungsvolle Nutzung der KI. Nur mit klaren Zielen, messbarer Leistung und der Einbindung ethischer sowie nachhaltiger Aspekte kann die KI ihr Potenzial wirklich entfalten, ohne die Risiken für Gesellschaft und Umwelt zu vergrößern.“
„Nachhaltige KI-Nutzung: Eine Verantwortung vom Unternehmen bis zum Einzelnen
Damit KI wirklich nachhaltig ist, liegt die Verantwortung nicht nur bei den Technologieentwicklern, sondern auch in der Art und Weise, wie Unternehmen sie integrieren, und in den Gewohnheiten jedes einzelnen Nutzers.
Für Unternehmen beginnt die nachhaltige Nutzung von KI mit der Auswahl von Werkzeugen, die auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt sind, anstatt überdimensionierte Modelle für einfache Aufgaben einzusetzen. Dieser Ansatz des „goldenen Mittelwegs“ ermöglicht es, den Ressourcenverbrauch zu senken und gleichzeitig die Effizienz zu gewährleisten. Zudem sollten Unternehmen eine gemeinsame Wissensdatenbank für wiederverwendbare KI-Ergebnisse (E-Mail-Vorlagen, Zusammenfassungen, Standardverfahren usw.) einrichten, um die Wiederholung identischer Anfragen zu vermeiden. Darüber hinaus ist es von entscheidender Bedeutung, die Mitarbeiter darin zu schulen, von Anfang an klare und gezielte Eingabeaufforderungen (Prompts) zu formulieren: Je weniger Iterationen nötig sind, desto mehr Zeit, Geld und Infrastrukturressourcen werden gespart.
Für Privatpersonen basiert die nachhaltige Nutzung von KI auf einem bewussten Konsum. Durch das Verfassen präziser und vollständiger Anweisungen erhält der Nutzer bereits beim ersten Versuch ein relevantes Ergebnis, was unnötige Nachfragen einschränkt. Ebenso wichtig ist es, eine übermäßige Nutzung der KI aus bloßer Neugier oder Bequemlichkeit zu vermeiden, insbesondere bei Inhalten ohne wirklichen Nutzen. Mit anderen Worten: Die KI bringt ihren größten nachhaltigen Wert ein, wenn sie zur Lösung echter Probleme eingesetzt wird, anstatt einen überflüssigen digitalen Konsum zu füttern.“
„Fazit
KI kann nachhaltig sein, aber das geschieht nicht von selbst. Wenn sich die KI unkontrolliert nach der Logik „immer leistungsstärker“ weiterentwickelt, werden die Kosten für Strom, Kühlwasser und materielle Ressourcen so rasant steigen, dass die KI Gefahr läuft, zu einer neuen Belastung für die Umwelt zu werden. Um die KI wirklich „grün“ zu machen, müssen wir sie daher proaktiv auf Kriterien der Energieeffizienz und des realen Nutzens ausrichten, anstatt lediglich dem Wettlauf um die Modellgröße hinterherzujagen.
Um dies zu erreichen, ist ein mehrdimensionaler Ansatz erforderlich: Die Politik muss einen regulatorischen Rahmen und Standards schaffen, während Unternehmen die KI verantwortungsvoll einführen und in der Lage sein müssen, deren Auswirkungen zu messen. Gleichzeitig müssen Wissenschaftler und Ingenieure technische Lösungen entwickeln, um die KI schlanker und sparsamer zu machen. Wenn öffentliche Politik und Technologie Hand in Hand gehen, kann die KI zu einem Teil der Klimalösung werden, anstatt als „großer Ressourcenfresser“ des digitalen Zeitalters zu enden.“L’IA peut être durable, mais cela ne se produira pas automatiquement.
